Epilepsie

Die Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Nervensystems. Durch eine temporäre, spontane Funktionsstörung des Zentralnervensystems kommt es zu cerebralen Anfällen und Bewusstseinsstörungen. Von einer Epilepsie spricht man aber nur, wenn mindestens zwei epileptische Anfälle ohne erkennbaren Auslöser (z.B. Fieber) aufgetreten sind, oder im EEG ein typisches Bild äußerlich nicht erkennbarer Anfälle abgeleitet wird.

Was passiert bei einem epileptischen Anfall?

Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu plötzlichen, übermäßigen Entladungen der Nervenzellen, die die aktuelle Tätigkeit, das Denken, Fühlen oder Handeln des Betroffenen stören. Durch diese Entladungen kommt es zu Kontrollverlusten bis hin zum temporären Bewusstseinsverlust. Solche Anfälle treten sowohl im Wach- als auch im Schlafzustand auf.

Welche Formen von Epilepsie gibt es?

Epileptischer Anfall ist nicht gleich epileptischer Anfall. Je nach Anfallsart und Befund des EEGs werden verschiedene Epilepsieformen unterschieden.

Fokale Epilepsie: Anfälle entstehen nur in einem lokal begrenzten Gebiet des Gehirns
Generalisierte Epilepsie: beide Gehirnhälften sind betroffenen
Fokal-generalisiert-gemischte Epilepsie
Spezielle Syndrome, bei denen es zu epileptischen Anfällen kommt

Es gibt auch mehrere Epilepsie-Formen, die ausschließlich im Kinder- oder Jugendalter das erste Mal auftreten. Besonders häufig sind:

Dravet-Syndrom
Janz-Syndrom
Kindliche Absence Epilepsie (CAE)
Landau-Kleffner-Syndrom
Lennox-Gastaut-Syndrom
Panayiotopoulos-Syndrom
Rolando-Epilepsie
West-Syndrom

Vor allem für die Eltern ist der erste Anfall des Kindes ein großer Schock. Wird die Epilepsie allerdings rechtzeitig erkannt, kann durch die richtige Diagnose der Epilepsieform meist eine erfolgreiche Therapie gefunden werden.

Diagnose

Allem voran steht ein ausführliches Anamnesegespräch mit mir. Für Kleinkinder ist es allerdings oft noch schwierig sich verbal gut ausdrücken zu können. Deshalb ist es besonders für die Eltern wichtig, mir die Verhaltensweisen Ihres Kindes so genau wie möglich zu beschreiben. Auch Videoaufnahmen mit der Digitalkamera oder dem Smartphone sind hilfreich. Oft können schon kurze Reaktionsverzögerungen oder Zuckungen erste Anzeichen für epileptische Anfälle sein.
Wenn der Verdacht besteht, dass bei Ihrem Kind eine Epilepsie-Erkrankung vorliegt, führe ich eine EEG-Untersuchung durch. So kann ich im Falle des Falles auch die Epilepsieform erkennen. Nach eindeutiger Diagnose werde ich zusammen mit Ihnen ein individuelles Therapieverfahren erstellen.

Therapie

In der Regel werden Kinder und Jugendlichen medikamentös mit Antikonvulsiva gegen das Entstehen neuer Anfälle behandelt. Zu Beginn der Therapie mit Medikamenten wird die Dosis schrittweise gesteigert. Wichtig ist, dass das Arzneimittel zuverlässig und konsequent eingenommen und auch Nebenwirkungen wie Zittern, Müdigkeit, Verlangsamung und Doppeltsehen dokumentiert werden. Nebenwirkungen sollten Sie auch mir sofort nach Auftreten mitteilen.
Nur wenn ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sind, ist eine Operation als Therapiemethode sinnvoll. Vor allem bei Kindern besteht zudem die Chance, dass sie durch die Veränderungen des Gehirns in ihrer Entwicklung aus der genetischen Epilepsie herauswachsen.
Eine weitere operative Methode ist das Einsetzen eines Vagus-Nerv-Stimulators, der bei vielen Kindern die Häufigkeit der Anfälle senkt. Nach der Implantation des Stimulators werden Sie direkt in meiner Praxis weiterversorgt.

Verhaltenstipps für Eltern bei einem Anfall

Optimieren Sie die Lichtverhältnisse, um das Geschehen gut einschätzen zu können.
Schauen Sie auf die Uhr, damit Sie die Dauer beurteilen können.
Versuchen Sie Ruhe zu bewahren, die meisten Anfälle klingen von allein ab.
Bringen Sie alle Gegenstände, die eine Verletzungsgefahr darstellen außer Reichweite.
Halten Sie Ihr Kind nicht fest! Durch das Festhalten mit Gewalt können Sie Ihr Kind ernsthaft verletzen!
Beatmen Sie Ihr Kind nicht!

Sollte im Vorfeld ein Notfallmedikament z.B. Diazepam mit Ihnen besprochen worden sein, ist dies erst bei einer Anfallsdauer von über 3 Minuten zu verabreichen! Es sei denn, eine abweichende Regelung ist mit Ihnen vereinbart worden.

Klart Ihr Kind nach dem Anfall nicht gleich auf, bringen Sie es in die stabile Seitenlage.